Anti-Stress-Medizin. Heilung für das menschliche Herz.

Wie viele Menschen hast du denn schon geheilt,...

.... fragte mich mein bester Freund, als er von seiner Weltreise zurückkehrte.

Diese Frage traf mich wie ein Blitz, denn schlagartig wurde mir dabei bewusst, dass irgendetwas schief lief.

Ich bin Arzt geworden mit der festen Absicht, Menschen zu heilen. Wenn ich jedoch die Frage meines besten Freundes ehrlich beantworten will, sieht die Bilanz ernüchternd aus.

Ich habe noch nie einen Menschen geheilt. Als Notarzt habe ich schon vielen Menschen das Leben gerettet, aber richtig geheilt habe ich noch nie.

Ich hätte es wirklich gerne getan, aber es ging nicht. Und es wird auch in Zukunft nicht gehen. Glücklicherweise hat das nichts mit meinem therapeutischen Geschick zu tun, sondern mit der simplen Tatsache, dass kein Mensch einen anderen Menschen heilen kann.

Heilen kann nur der Körper

Ärzte brauchen wir nicht zum Heilen, sondern um den Heilungsprozess zu unterstützen und um Menschen das Leben zu retten, z.B. nach einem schweren Verkehrsunfall oder nach einem Herzinfarkt.

Nicht einmal einen gebrochenen Arm kann ein Arzt reparieren oder heilen. Er kann mit seiner fachlichen Kompetenz und seinen technischen Möglichkeiten lediglich Bedingungen schaffen, unter denen die Selbstheilungskräfte des Patienten optimal wirksam werden und die gebrochenen Knochen wieder gut zusammenwachsen.

Allgemeiner ausgedrückt heißt das: niemand kann einen anderen Menschen gesund machen. Jede Heilung ist immer und grundsätzlich Selbstheilung.

ANTI STRESS MEDIZIN Kopie

Die zwei Phasen der Heilung

Alle Verletzungen und Krankheiten verlaufen in zwei Phasen: Es gibt eine Stressphase und eine Heilungsphase.

Wenn du dich mit einem Messer in den Finger schneidest, ist das die Stressphase. Diese Stressphase aktiviert deine Blutplättchen und andere hilfreiche Körperzellen, sodass die Blutung ganz von allein wieder aufhört und sich die Wunde verschließt. Ist der Stress dadurch abgeklungen, beginnt dein Körper mit der Heilungsphase.

Ist der Schnitt tiefer, brauchst du in der Stressphase ärztliche Unterstützung. Vielleicht müssen tiefere Schichten genäht werden, aber sobald auch diese Stressphase überstanden ist, fängt dein Körper mit der Selbstheilung an.

Entzündet sich die Wunde, bleibt die Stressphase bestehen und die Heilung kann weiterhin nicht beginnen. Auch hier brauchst du weitere ärztliche Unterstützung. Ein Antibiotikum muss zuerst die Erreger in der Wunde abtöten, aber dann kann wirklich die Heilung beginnen.

Dieses einfache Beispiel soll dir verdeutlichen, dass Stress immer der Heilung im Wege steht.

Stress steht der Heilung im Wege. Immer.

Die ärztliche Aufgabe besteht also darin, den Patienten in der Stressphase zu unterstützen. In der Heilungsphase wird kein Arzt mehr benötigt. Diese läuft ganz von allein ab, sobald der Stress verschwunden ist.

Stress ist nichts anderes als ein Störfaktor, der der Selbstheilung im Wege steht. Unser Körper unternimmt normalerweise alles ihm Mögliche, um sich selbst in ein gesundes (überlebensfähiges) Gleichgewicht zu bringen – und sich, falls erforderlich, selbst zu heilen.

Es sei denn, er wird dabei gestört, also gestresst.

Um zu heilen, sollten wir die Ursache des Stresses finden und ihn eliminieren. Bei einem gebrochenen Bein ist das einfach. Das, was das Bein davon abhält, zu heilen, ist eine große Lücke zwischen den beiden Knochenenden. Also wird das Bein operiert oder so eingegipst, dass die beiden Knochenenden ganz nahe zusammenkommen. Damit ist der Stress (hier: die Lücke) verschwunden und die Heilung kann beginnen.

Das gleiche Prinzip gilt auch im Notfall. Meine wichtigste Aufgabe als Notarzt ist es, im Einsatz Ruhe auszustrahlen; ganz egal, in welche Situation ich komme, ob Verkehrsunfall, Geburt oder Herzinfarkt. Das Einzige, was hilft und den Patienten weiterbringt, ist, den Stress zu beseitigen. Natürlich muss ich dafür auch manchmal invasive Maßnahmen ergreifen, denn wenn jemand nicht atmet, ist genau das der größte Stressfaktor des Körpers. In diesem Fall besteht die wichtigste Maßnahme, um für Ruhe und Entlastung zu sorgen, in der Beatmung des Patienten. In anderen Fällen ist es die Stabilisierung des Kreislaufs, die Schmerztherapie oder einfach auch nur ein beruhigendes Wort, aber immer geht es darum, den Stress aus der Situation zu nehmen.

Dauerstress macht krank

Bei akuten Erkrankungen ist Stress die Folge von schädigenden Einflüssen. Sobald der Stressor eliminiert ist, beginnt die Heilung.

Bei chronischen Erkrankungen ist das anders. Hier ist der Stress der Auslöser von Krankheit. Chronisch erkrankt heißt, dass der Körper sich nicht heilen oder erholen kann, weil er dauerhaft dabei gestört wird.

Irgendetwas stresst ihn, und zwar ordentlich. Dauerstress macht uns über zwei unterschiedliche Wege krank. 

Der direkte Weg zur Krankheit

Dauerstress kann uns direkt krank machen, in dem er unsere natürlichen Selbstheilungskräfte herabsetzt. So kommt es zur vorzeitigen Alterung, weil unsere Zellen nicht mehr regenerieren; zu gehäuften Infekten und Krebserkrankungen, weil unsere Immunabwehr geschwächt ist; oder zu Herzinfarkten durch die dauerhafte Einwirkung von Stresshormonen.

Dieser Stress ist einer der größten Saboteure der Selbstheilung, er ist so etwas wie ihr natürlicher Gegenspieler. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Stress (und seine Verwandten) schon vor einiger Zeit als einen der größten Krankheitsverursacher im 21. Jahrhundert ausgemacht. In wenigen Jahren (bis 2020), so die Prognose, wird Stress die unangefochtene Nummer 1 sein, und zwar weltweit.

Der indirekte Weg zur Krankheit

Dauerstress kann uns aber auch indirekt krank machen. Nämlich durch die Nebenwirkungen der Hilfsmittel, die wir gegen Stress einsetzten. Der Mensch ist ja nicht dumm, er weiß sich zu helfen.

Es gibt einige Stoffe, die unserem Körper, vor allem unserem Gehirn helfen, mit dem Stress umzugehen, den wir in unserem Leben haben. Dazu gehören Fett, Zucker, Koffein, Nikotin, Alkohol und viele andere Drogen. Alle haben sie die gleiche Funktion: sie sollen uns entlasten. Sie belohnen und erleichtern uns und unser gestresstes Gehirn.

Wer greift zu mehr Zucker und Fett, als er braucht?

Menschen, die gestresst sind. Sei es durch ihre Arbeit, durch andere Menschen, durch Langeweile, durch Frust oder durch sich selbst?

Wer greift zu Koffein und anderen Stimulanzien? Wer greift zu Alkohol und Nikotin?

Menschen, die gestresst sind.

Wer greift zu Drogen?

Menschen, die gestresst sind.

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Stress ist Krankheitsursache Nur. 1

Die großen Volkserkrankungen wie Übergewicht, Adipositas, Bluthoch- druck und Diabetes, ganz zu schweigen von den rasant ansteigenden Fällen von Burn-out, Angststörungen, Depressionen und Suchterkrankungen sind alles stressbedingte Erkrankungen.

Hilft es nun, einem übergewichtigen Menschen zu empfehlen, eine Diät oder ein strenges Bewegungsprogramm zu absolvieren?

Hilft es nun, einem Raucher zu empfehlen, mit dem Rauchen aufzuhören?

Nein. Warum gibt es so viele Diätbücher, so viele Sportprogramme, so viele Entzugskliniken? Weil das alles nichts hilft. Solange wir nicht die Ursache des Stresses finden und eliminieren.

Jemandem, der stressbedingt übergewichtig wird, weil das Essen ihm eine Entlastung und Erleichterung verschafft, helfe ich doch nicht damit, dass ich ihm sein wichtigstes Hilfsmittel zur Bewältigung seines Alltags nehme.

Die einzige Hilfe, die wir geben können, besteht darin, dass wir diesen Prozess erkennbar und bewusst machen und die wahre Stressursache finden. 

Menschen haben kein Verhaltensproblem. Menschen haben ein Stressproblem.

Menschen haben ein Problem mit ihrem Leben. Ein Leben, das sie krankmacht. Ein Leben, das sich anfühlt wie ein ständiger Kampf.

Wir sind Kämpfer

Stress hat eine natürliche Funktion. Er aktiviert unseren Körper und bereitet ihn für den Kampf vor. Die Atmung beschleunigt sich, Puls und Blutdruck steigen, Fette und Zucker werden aus den Energiedepots des Körpers in die Blutbahn abgegeben, damit Energie für die Muskulatur zur Verfügung steht.

Aber gegen wen kämpfen wir eigentlich?

Wir kämpfen gegen Geschichten.

Geschichten sind kulturelle Regeln in Sachen Liebe, Familie, Berufswahl, Religion, Erfolg und Erfüllung, die die Maßstäbe setzen, wer wir sein sollten, was wir tun sollten und wer wir sind.

Befolgen wir diese Regeln, gehören wir zwar dazu, sind brav und angepasst. Aber diese Anpassung hat ihren Preis, wir kämpfen gegen uns selbst, gegen das, was wir wirklich wollen und sind.

Wenn sich dein Leben anfühlt wie ein Kampf, hat das nur eine Ursache: Du folgst blind den Regeln und Geschichten der anderen, anstatt deinen eigenen Verstand zu nutzen, auf dein eigenes Gefühl zu hören und deinem eigenen Herzen zu folgen.

Respekt, bitte?

Wenn du schon kämpfst, dann kämpfe nicht gegen dich selbst, sondern für dich selbst. Werde zum Revolutionär. Ändere die Regeln für dein Leben.

Mit dem Kampf gegen dich selbst bleibt der Stress.

Mit dem Kampf für dich selbst verschwindet der Stress.

Wir alle treiben in einem kolossalen Meer aus Geschichten, Regeln,Überzeugungen und Routinen. Manche davon sind schön und bringen uns Freude, die meisten davon stressen uns, haben keinerlei Nutzen oder lähmen uns sogar.

Und so wie der Fisch der Letzte ist, der erkennt, dass er in einer Substanz schwimmt, die man Wasser nennt, sind auch wir oft lange blind für die vielen kulturellen Regeln, die ich als Geschichten bezeichne, die unser Leben dominieren und beeinflussen.

Warum folgen wir eigentlich so hörig und angepasst den kulturellen Regeln unserer Eltern, der Gesellschaft, unserer Lehrer und Chefs?

Sollen wir ehrlich miteinander sein?

Es ist einfacher, aber es macht uns krank.

Werde endlich erwachsen. Das heilt.

Jeder reife Mensch entwickelt irgendwann seine eigenen Überzeugungen, seine eigenen Vorstellungen und seine eigenen Lebensregeln – die Frage ist nur, ob er auch danach handelt.

Tun wir es nicht, haben wir ein Problem. Wenn wir unseren eigenen Maßstäbe, was wir für richtig halten, zuwiderhandeln, wenn also unser Handeln mit unseren eigenen Überzeugungen kollidiert, dann handeln wir unseren Urteilen und Überzeugungen zuwider, dann verraten wir unseren eigenen Verstand.

Dieser Verrat des eigenen Verstandes schadet uns mehr als jede äußere Zurückweisung oder Ablehnung, vor der wir uns eigentlich fürchten.

Denn dadurch verlieren wir den Respekt vor uns selbst und unsere Selbstachtung. Und wer sich nicht selbst respektiert, der geht auch nicht respektvoll mit sich um.

Ich bin heute davon überzeugt, dass die meisten Probleme, die wir im Umgang mit uns selbst haben, also wie wir selbst mit uns reden, wie wir selbst mit uns umgehen, wie wir uns ernähren und pflegen, mit dem Respekt vor uns selbst zu tun haben.

Wir betteln immer um die Anerkennung und den Respekt der anderen, aber es gibt nur einen Respekt, der im Leben etwas zählt: der Respekt vor uns selbst. 

Burn-out entsteht durch "Ja" sagen und "Nein" meinen

Wenn du heute Menschen triffst, die eine große Klarheit und innere Ruhe ausstrahlen, hat das damit zu tun, dass sie das sagen, was sie denken und das tun, wovon sie überzeugt sind. Es ist die Ausstrahlung und Kraft des Selbstrespekts. Das Gegenteil davon ist das, was wir heute als Burn-out bezeichnen, ein inneres ausbrennen.

Burn-out entsteht nicht durch zu viel Arbeit. Burn-out entsteht, wenn wir zu viel »Ja« sagen, obwohl wir »Nein« meinen. Burn-out entsteht, wenn wir das Gefühl haben, dass wir nach den Regeln anderer leben und nichts dagegen tun können. Burn-out entsteht, wenn wir keinen Sinndarin sehen, was wir tun.

Der Verlust des Respekts vor uns selbst ist einer der größten Stressfaktoren und damit Krankheitsursache des Menschen.

Aber wir können etwas dagegen tun. Wir können unsere eigenen Regeln aufstellen und danach leben. Mit Sicherheit hat das Konsequenzen. Vielleicht weniger Geld, vielleicht sogar Arbeitsplatzverlust, vielleicht Scheidung und eine Menge anderer Herausforderungen.

Und ganz ehrlich, du kannst nur gewinnen. Du gewinnst den einzigen Respekt zurück, der etwas zählt: den Respekt vor dir selbst.

Bist du mutig?

Wenn wir keine eigenen Maßstäbe haben, leben wir in einer Welt der Maßlosigkeit. Den Respekt, den wir vor uns selbst verloren haben, müssen wir dann irgendwie kompensieren.

So entstehen die maßlosen Ansprüche an uns selbst, weil wir glauben, nach außen immer perfekt sein zu müssen, immer cool, immer gut drauf, immer erfolgreich. Das ist nichts anderes als ein riesiges Täuschungsmanöver. Wir spielen ein Versteckspiel. 

Wir streben nach der Anerkennung der anderen, weil wir den Respekt vor uns selbst verloren haben.

So werden wir auch maßlos im Konsum, maßlos im Arbeiten, maßlos im Essen und maßlos im Trinken und damit beginnt auch der Körper, maßlos (dick) zu werden.

Als Lifestyle-Coach auf den Kreuzfahrtschiffen von Hapag-Lloyd, wurde ich immer wieder von Menschen gefragt, was sie gegen die Maßlosigkeit ihres Körpers (Übergewicht/Adipositas) tun könnten.

Meine Antwort damals überraschte die meisten: »Es wird Ihnen nicht helfen, dass Sie den Alkohol und die süßen Törtchen weglassen. Das viele Essen, die Süßigkeiten, der Alkohol, Koffein und Nikotin sind nämlich aktuell Ihre einzigen Werkzeuge, mit denen Sie dem Stress in Ihrem Leben Herr werden. Es sind Ihre Hilfsmittel, um Ihren Alltag überhaupt zu überstehen. Was glauben Sie? Würde der Stress in Ihrem Leben abnehmen oder zunehmen, wenn ich Ihnen jetzt empfehle, auf Zucker, Fett, Alkohol, Koffein und Nikotin zu verzichten?«

Die Antwort war immer eindeutig. Nein, diese Art von Verzicht hilft nicht, den Stress loszuwerden. Deshalb scheitern auch alle Diät-, Bewegungs- und Entzugsprogramme. Sie entlasten nicht, sie erhöhen den Stress sogar.

Mein Weg der Anti-Stress-Medizin

Ich helfe keinem Menschen, indem ich ihm die Werkzeuge wegnehme, die ihm helfen, seinen Alltag zu erleichtern. Ich helfe ihm, indem ich ihn unterstütze, sein Leben zu verändern und vor allem sich selbst zu verändern, mutiger zu werden, nach seinen eigenen Regeln zu leben, seinem eigenen Maßstab zu folgen, wodurch die Maßlosigkeit automatisch ein Ende hat.

Chronische Krankheiten und vor allem die Maßlosigkeit des Körpers (sprich: Übergewicht und Adipositas) sind ein eindeutiger Indikator dafür, dass Menschen nicht nach ihren eigenen Regeln leben und den Urteilen und Geschichten anderer mehr Bedeutung schenken als ihren eigenen.

Wir stehen ja heute im Zeitalter des Populismus, in dem wir uns immer nur nach Zustimmungswerten richten. Man könnte sagen, wer keinen Wert in sich selbst sieht, der muss sich nach Zustimmungswerten richten: das heißt aber, er verbiegt sich ständig, er verrät sein eigenes Herz.

Krankheit ist der Schrei eine kranken Herzens

Maßlosigkeit ist der Schrei des eigenen Herzens, das nicht bekommt, was es braucht: Liebe und Respekt. Und weil wir nicht bekommen, was wir brauchen, nehmen wir uns das, was wir kriegen: Ersatzbefriedigungen.

Vordergründig erscheint es uns so, dass wir durch einen Lebensstil krank werden, den die absolute Mehrheit auch führt. Nur weil alle Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht haben, erscheint es uns normal. Nur einer kleinen Minderheit fällt auf, dass ganze Generationen es verlernt haben, gut und respektvoll mit sich selbst umzugehen und ihre Wut und Trauer durch einen süßen und fettigen Lebensstil kompensiert haben.

In Wahrheit stirbt der Mensch also an seinem gebrochenen Herzen, gegen dessen Stimme er im Leben immer handelte, weil er die Stimme der anderen für wichtiger hielt. Es klingt sehr bitter, aber der Verrat am eigenen Herzen ist die wirkliche Krankheitsursache der meisten Menschen, die nie den Mut fanden, ihr eigenes Leben zu leben.

Anti-Stress-Medizin ist Heilung für das menschliche Herz.


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