Die Erfindung der Wahrheit

Woran kann ich mich orientieren?

Die Erfindung der Wahrheit ist eine Realität, der wir uns stellen dürfen. Ich bin der Überzeugung, dass ich zwar alles denken kann, aber nichts absolut sicher wissen kann. Ich kann nur Geschichten erzählen oder Geschichten glauben, die ich oder ein anderer Mensch erfunden hat. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob es sich um eine wissenschaftliche oder um eine religiöse Geschichte handelt. Denn mit absoluter Sicherheit können wir die Wahrheit einer Geschichte nicht beweisen. Nie. Das einzige, was wir tun können, ist an eine Geschichte zu glauben.  Und sobald wir eine Geschichte glauben, nennen wir sie die Wahrheit. So machen wir Menschen das. Wir erfinden die Wahrheit.

„Deine Wahrheit ist eine Geschichte, die Du über Dich glaubst."

Diese Erkenntnis hat für mich eine enorme Konsequenz. Denn es ergibt sich daraus die Frage, woran ich mich in meinem Leben orientieren kann?

Was ist das Beständige in mir, wenn meine Gedanken kommen und gehen, wenn meine Geschichte nichts anderes ist als eine Möglichkeit von vielen, wenn die graue Masse in meinem Kopf ihre Erinnerungen und Erfahrungen nutzt, um den Dingen und Erlebnissen, die scheinbar vor mir liegen, willkürlich eine Bedeutung zu geben?

Ich bin mehr als eine Geschichte

Es gibt Momente, da sehe ich es ganz klar vor mir. Ich sehe den Unterschied zwischen mir und meiner Geschichte. Ich erlebe mich als Selbst, das in einem Körper wohnt, den meine Geschichte als »Ich« bezeichnet, sehe und erlebe meine Möglichkeit, diese Geschichte zu gestalten. Es ist alles möglich. Dieses »ICH« kann sich klein denken, kann sich groß denken. Es kann alles denken. Diese menschliche Fähigkeit ist unsere größte Last und gleichzeitig unser größtes Geschenk.

Solange wir nicht den Unterschied erfahren zwischen unserem Selbst und unserer Geschichte, wird die Geschichte zur Last. Sobald wir jedoch uns selbst hinter unserer Geschichte entdecken, wird das Leben zu einem Spiel, dem wir zuschauen und in dem wir mitspielen können.

Das Leben ist bedeutungslos

Ich glaube das Leben ist vollkommen bedeutungslos. Und das meine ich in einem absolut positiven Sinn. Das Leben, das wir leben, die Geschichte, die wir über uns erzählen, hat nur eine Bedeutung für das »ICH«, weil es seine Geschichte ist. Für das große Ganze ist diese Geschichte jedoch völlig bedeutungslos. Deshalb ist das Leben auch nicht schrecklich. Wir beobachten einfach nur die Variationsbreite des Möglichen. Warum das so ist? Keine Ahnung. Darüber können wir nur philosophieren und an etwas glauben, das über diese Geschichten hinausgeht. Und das tue ich.

Ich erlebe dieses Selbst hinter meiner Geschichte, hinter meinen Gedanken. Dieses Selbst wohnt in meinem Körper, macht diese materielle Zellmasse lebendig.

Wahrheit ist die Erfindung eines Luegner 874x543

Wer stirbt, wenn wir sterben?

Ich glaube nicht an die Heiligen drei Könige. Ich glaube an Selbst, Körper und Geschichte.

  • Es gibt ein Selbst.
  • Es gibt einen materiellen Körper. 
  • Es gibt eine Geschichte.

Diese Dreiheit wird für mich deutlich wahrnehmbar, wenn ich mir über meinen Tod Gedanken mache. Wer oder was stirbt, wenn ich sterbe? Kann mein Selbst sterben? Nein. Es ist der unsterbliche Anteil in mir, der dem Körper entweicht und damit lebendige Materie in tote Materie verwandelt.

Kann der materielle Körper sterben? Nein. Der ganze Körper, alle seine Organe, alle seine Zellen und seine Moleküle bestehen aus Atomen. Atome können nicht sterben. Sie können sich nur neu formieren.

Was stirbt also, wenn ich sterbe? Das »ICH« stirbt. Die Geschichte stirbt.

Und ich finde es unglaublich tröstlich, wenn ich das gleiche Szenario für das menschliche Leiden durchdenke.

Wer leidet, wenn wir leiden?

Wer leidet, wenn ein Mensch leidet? Kann das Selbst leiden? Nein. Wie in so vielen Nahtoderlebnissen beschrieben, ist es der stille Beobachter, der weder Schmerz kennt, noch Leid. Dieser stille Beobachter ist das, was wir wirklich sind. Reines Bewusstsein. Reines Selbst. Reines Selbstbewusstsein.

Kann die Materie des menschlichen Körpers leiden? Nein. Sie verändert sich nur.

Wer leidet also? Die Geschichte leidet.

Die körperliche Materie und unsere Geschichten sind die Spielwiese des Selbst, mit dem das Leben alle möglichen Erfahrungen machen kann. Und das tut es. Die Welt ist nicht schlecht. Das glaube ich nicht und will es auch nicht glauben. Vielleicht ist unsere Perspektive einfach nur zu klein?

Woran soll ich mich also jetzt orientieren?

Meine Geschichte ist bedeutungslos, aber sie ist möglich. Das gibt mir eine große Leichtigkeit. Sie kann ich gestalten. Und das tun wir immer, egal, ob wir etwas tun oder ob wir nichts tun. Es resultiert daraus immer eine Erfahrung, die unser Selbst macht.

Es resultiert das, was ist. Es ist nicht bedeutsam, welche Geschichte wir leben, welche Geschichte wir über uns erzählen. Bedeutsam ist, dass Geschichten gelebt werden. Vielleicht sind wir einfach nur dazu hier. Welche Geschichte, ist völlig egal. Wir können mit dem Leben nicht scheitern. Wir leben einfach nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten. Und wir entscheiden, wie wir diese Möglichkeit nutzen. Alles ist gut. Alles ist möglich, vom Mörder bis zum Heiligen. Manche Menschen entscheiden sich für rechts, manche für links.

Das ewige Leben des Möglichen. Dramatisch ist nur die Geschichte, die wir über das Mögliche erzählen.

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Die Erfindung der Wahrheit braucht einen Körper

Der Körper hat eine simple Rolle. Mit ihm setzen wir unsere Geschichte in die Tat um. Mit ihm bringen wir unsere Geschichten in das Leben. Ohne Körper gäbe es nur ein Drehbuch, aber keinen Film.

Es gibt Menschen, die erzählen sich die Geschichte, dass sie nicht wertvoll sind, und der Körper setzt die Geschichte um. Er liegt in einer Ecke, glotzt auf einen Bildschirm und stopft sich mit Dingen voll, die auch nicht wertvoll sind.

Ist das dramatisch? Nein. Es ist möglich. Die Geschichte ist dramatisch, die wir darüber erzählen. Der Körper ist die Folge der Geschichte. Das Selbst ist rein und beobachtet das Mögliche.

Es gibt Menschen, die erzählen sich die Geschichte, dass sie sich erst lieben können, wenn sie erfolgreich sind, wenn sie spirituell sind oder sonst irgendetwas, womit sie ihre Liebe endlich verdienen.

Ist das dramatisch? Nein. Es ist möglich. Nur die Geschichte ist dramatisch, die wir erzählen. Jeder Mensch ist jedoch mehr als die Geschichte, die er erzählt. Er ist das Selbst hinter der Geschichte. Solange die Liebe zu diesem Selbst von einer Geschichte abhängig ist, ist sie von Bedingungen abhängig. Das ist keine Liebe.

Selbst ist die Liebe

Liebe ist bedingungslos. Der Ursprung der Liebe liegt im Selbst. Das Selbst ist die Liebe. Für diese Liebe müssen wir nichts tun. Es ist unser Geburtsrecht. Das Einzige, was der Liebe im Weg steht, ist eine Geschichte, wer wir sein sollten und was wir tun sollten, um endlich liebenswürdig zu sein. Und diese Geschichte ist nicht wahr, sie ist möglich, aber nicht wahr.

Liebe ist ein spirituelles Geschenk. Wir können sie nicht erdenken und müssen sie uns nicht erarbeiten. Sie ist das Geschenk unseres Selbst, das wir hinter unseren Geschichten finden, das immer auf uns wartet und immer für uns da ist.

Für die Liebe von dir selbst, für deine Selbstliebe, musst du nichts tun.

Das ist meine erfundene Wahrheit. Was ist deine Wahrheit? 


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