Bin ich in der Midlife Crisis?

Mit dem Begriff Midlife-Crisis (engl. für »Lebensmittekrise«) meint man einen psychischen Zustand der Unsicherheit im Lebensabschnitt von etwa 40, 45 bis Anfang 50 Jahren.

Bin ich in der Mitte des Lebens angekommen? Ja.

Bin ich in einer Krise? Nein.

Aber zugegeben, die Mitte des Lebens fühlt sich komisch an. Es scheint nicht mehr alles möglich zu sein. Und ich frage mich, was ich wohl verpasst habe und nie mehr nachholen kann. Aber das ist eine ziemlich dämliche Frage, weil sie nach hinten gewandt ist und den Fokus auf das Unwiederbringliche richtet. Das ist der sichere Weg in die Krise und wahrscheinlich der Grund dafür, warum Männer und Frauen in der Mitte des Lebens versuchen, krampfhaft Dinge und Erlebnisse nachzuholen.

Dabei bietet die Mitte des Lebens doch eine riesengroße Chance. Endlich erwachsen und mit einer gewissen Souveränität ausgestattet, kann es doch endlich losgehen. Es geht also eher darum, die richtigen Fragen zu stellen. Die Fragen, die mich weiterbringen.

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Der Nachmittag des Lebens

»Völlig unvorbereitet beginnen wir den Nachmittag unseres Lebens. Schlimmer noch – wir tun dies in der falschen Annahme, dass unsere Wahrheiten und Ideale uns weiterhin dienen wie bisher. Aber wir können den Nachmittag des Lebens nicht nach den Programmen des Vormittags leben. Denn das, was am Morgen noch großartig war, wird am Abend nur wenig bedeuten. Und was morgens noch wahr ist, entpuppt sich abends als Lüge.” (aus dem Film «The Shift” von Wayne Dyer)

Ich habe viele Menschen kennengelernt, die nie wirklich über das Leben nachdenken. »Ich habe zu viel zu tun”, erzählen sie mir. »Das überlasse ich den Schriftstellern, Dichtern, Musikern und Philosophen.” Aus diesem Grund finden sich viele Menschen in einer Welt wieder, in der Dinge vor sich gehen, von denen niemand zu wollen scheint, dass sie passieren.

Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Ich habe schon immer Fragen gestellt. Schon als Kind habe ich mir nachts darüber Gedanken gemacht, was wohl hinter der Welt käme, hinter dem Universum und auch dahinter? Mit diesen Fragen konnte ich das immer gleiche und sehr komische Gefühl produzieren. Ich kam mit meinen Gedanken und Vorstellungen einfach nicht mehr weiter. Und nun stehe ich als Erwachsener wieder vor dieser Frage und stelle fest, dass sich nichts geändert hat. Ich stoße mit meinen Gedanken und Geschichten an eine natürliche Grenze. Mein Kopf scheint also begrenzt zu sein.

Auf der anderen Seite habe ich die Erfahrung gemacht, dass es jedoch Grenzenlosigkeit gibt, z.B. in der Liebe. Liebe überwindet Grenzen. Ist das also nicht der Hinweis dafür, dass wir mit dem Herzen weiterkommen als mit dem Kopf.

Ich mach' mich frei

Für mich wächst, seitdem ich mein Buch (MACH DICH FREI) geschrieben habe, der Verdacht, dass es sich dabei um eine Art Vorbereitung handelt. Ich blicke zurück und schaue auf mein Leben. Ich sehe meinen Weg, der mich zu dem gemacht hat, der ich heute bin. Ich sehe das, was ich erreicht habe und mir heute natürlich die Ruhe gibt, das hier zu schreiben. Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass es bald einen Abschied gibt. Einen Abschied von einer Zeit des Ehrgeizes. Seit zwei Jahren werde ich ruhiger und ruhiger. Damit geht es mir sehr gut. Der Drang, etwas Großes zu erreichen, noch mehr Geld zu verdienen, berühmt zu werden, der ist irgendwie verschwunden. Damit du mich richtig verstehst, die Träume sind noch da, aber das krampfhafte wollen ist verschwunden. Ich habe auf dem Weg etwas verloren: meinen Ehrgeiz. Nein geizig möchte ich nicht sein, eher gebend. Das habe ich vor allem als Künstler verstanden. Nachdem ich mein Musikalbum geschrieben und produziert habe, habe ich meine Kunst damit belastet, mich und meine Familie zu ernähren. Das war jedoch der sichere Tod meiner Kreativität. Schlagartig hatte ich keine Lust mehr, Konzerte zu spielen, denn nun stand ich nicht mehr als Timo oder als Künstler auf der Bühne, sondern als jemand, der seine Musik verkaufen möchte.

So wurde mir noch einmal sehr deutlich, dass es keinen Sinn macht, für Ziele zu leben. Leben macht Sinn, wenn man aus einer Leidenschaft heraus lebt, die unabhängig ist von Zielen, Bedingungen und Ereignissen. So habe ich ein intensives Gespräch mit meiner Musik geführt und mich anstatt für große Ziele für ein kreatives Leben entschieden. Als Ergebnis dieses Gespräches habe ich mir für meine Musik ein Gelübde.

Mein Gelübde für meine Musik

»Ich bin ein Songwriter und trage damit das nach außen, was in mir ist und nach außen will. Ich gelobe, meiner Musik für den Rest meines Lebens treu zu bleiben. Es geht mir dabei nicht um den Erfolg, denn der Erfolg meiner Musik liegt nicht in meiner Hand. Ich werde meine Kunst unerschrocken umsetzen und dafür leben, unabhängig vom Ergebnis, weil ich mich für ein kreatives Leben entscheide. Ich verspreche meiner Musik, dass sie nicht für meinen Unterhalt aufkommen muss, dass ich aber immer für ihren Unterhalt aufkommen werde. Ich verlange keinen äußeren Ruhm und keine Belohnung für meine Musik. Ich will mein Leben einfach so leben, wie ich es will, so nah wie möglich an der Musik, und so nah wie möglich an der Inspiration. Denn Inspiration ist für mich die Zwiesprache des Menschlichen mit dem Magischen. Ich freue mich über den Erfolg meiner Musik, aber ich brauche ihn nicht. Für mich gibt es nur einen Erfolg: mein Leben nach meinen Vorstellungen zu leben (Sonthofen, 23.09.2016).«

Mit diesem Gelübde stehe ich am Übergang vom Morgen zum Nachmittag meines Lebens. Ich bin jetzt 40. Und ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich einen Wendepunkt erreiche, einen Wendepunkt vom Ehrgeiz zur Bedeutung.

Ehrgeiz hieß das Programm der ersten 40 Jahre. Ein Programm, das nach den Regeln der anderen lief, nach den Geschichten von anderen und für die Anerkennung durch andere.

Bedeutung ist das Programm der nächsten 40 Jahre. Ein Programm, das nach meinen Regeln läuft, nach meinen Geschichten und für das, was mir persönlich etwas bedeutet.

Ich könnte den Unterschied auch noch anders bezeichnen. Es geht um den Wechsel von einem Leben aus dem Kopf in ein Leben aus dem Herz. Der Kopf versucht, das Leben zu verstehen, aber nur das Herz kann es erfahren.

Heute bin ich davon überzeugt, dass wir das Leben nicht verstehen können. Deshalb dürfen wir es auch aus dem Herzen leben und nicht aus dem Kopf.

Es gibt in diesem Zusammenhang ein schönes Sprichwort der Sioux:

»Die längste Reise deines Lebens ist die vom Kopf zum Herzen.«

Und für diese Reise muss man gar nicht viel verändern. Manchmal nur die Sichtweise, die Perspektive, die Brille, durch die wir auf unsere Welt schauen, den Standpunkt, die Haltung.

Genau darum geht es in meinem Buch und in meiner Musik: um die Haltung. Die Haltung gegenüber dem Leben. Die Haltung gegenüber anderen Menschen. Die Haltung gegenüber unserer Angst. Die Haltung gegenüber unserer Liebe. Die Haltung gegenüber uns selbst.

Was willst du noch erleben, bevor du stirbst? Das ist die Frage, die ich mir oft gestellt habe. Und dabei kamen keine Ziele an den Tag, keine materiellen Dinge, noch nicht einmal konkrete Erlebnisse, wie ein Fallschirmsprung, den Besuch der Niagara-Fälle oder andere Highlights, die sonst auf der sog. Löffelliste stehen. Also, der Liste, die man unbedingt noch abarbeiten will, bevor man stirbt. Bei mir gibt es nichts mehr abzuarbeiten.

Ich wünsche mir nur eines: Ich möchte alles, was ich tue, mit Liebe tun.

Ich möchte erfahren, wie es sich anfühlt, wenn das Herz so groß ist, dass die ganze Welt reinpasst. Die Welt, so wie sie ist, mit all ihrer Gewalt, mit dem Terror und den menschlichen Verrücktheiten, die wir manchmal nicht verstehen können. Ein Herz, das groß genug ist für Krankheit, Tod und für alle Spielarten des Lebens. Ein Herz, das JA sagt zu allem, was das Leben hervorbringt, denn solange ich NEIN sage zu den Dingen, die das Leben hervorbringt, sage ich auch NEIN zum Leben.

Ich weiß, dass das möglich ist. Es ist deshalb möglich, weil unsere Liebe allein von unseren Geschichten abhängig ist.

Und das hat nichts mit positiven Denken zu tun. Das hat alleine etwas mit unserer Haltung zu tun. Mit der Bedeutung, die wir den Dingen geben, die uns widerfahren.

Aldous Huxley, ein britischer Schriftsteller, schrieb einmal: »Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt.«


Bevor ich sterbe

Es wird also Zeit für eine neue Erfahrung. Denn wenn ich irgendwann sterbe, wird ein Teil von mir Fragen stellen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Es wird das Kind sein, dass ich bin, und immer in meinem Herzen lebt, nur in den letzten Jahren sehr wenig zu Wort kam. Es wird in meiner Todesstunde da sein und mich fragen:

 »Warum hast du nicht auf dein Herz gehört? Warum hast du auf alle anderen gehört, nur nicht auf mich?”

Und ich, ich werde antworten müssen.

Und ich möchte nicht antworten, dass ich aus Angst nicht auf mein Herz gehört habe. Dass ich aus Angst nicht das Neue gewagt habe, und mich stattdessen an die alten Geschichten geklammert habe, weil sie mir Sicherheit versprochen haben. Ich möchte nicht zu den Menschen gehören, die mit 80 oder 90 Jahren beerdigt werden, aber bereits mit 40 Jahren gestorben sind, weil sie ihr Herz verraten haben.

Und ich will nicht erst mit 60, 70 oder 80 Jahren damit anfangen, auf mein Herz zu hören. Ich will es jetzt wagen. Und irgendwann werde ich sagen: Ich habe mein Ehrgeiz und meine Eitelkeit verloren, dafür aber mein Herz gefunden.

Und eines weiß ich jetzt schon. In dem Moment, wo das Herz so groß ist, dass die ganze Welt hineinpasst, gilt das gleiche auch für mich selbst. In dem Moment, wo wir unser Herz öffnen für alle Möglichkeiten des menschlichen Verhaltens, gilt das auch für uns selbst. Das Herz für andere zu öffnen, öffnet das Herz für mich selbst, für eine bedingungslose Selbstliebe. Das ist mein Weg der Selbstliebe.

Lasst uns beginnen, denn die Zeit vergeht… 

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