• Timo Eifert

Songstory: Deine Wahrheit



Woran kann ich mich orientieren?

Nachdem ich mein Buch "Mach dich frei" geschrieben habe, bin ich der Ansicht, dass ich zwar alles denken kann, aber nichts absolut sicher wissen kann. Ich kann nur Geschichten erzählen oder Geschichten glauben. Diese Erkenntnis hat für mich eine enorme Konsequenz. Denn es ergibt sich daraus die Frage, woran ich mich in meinem Leben orientieren kann?

Was ist das Beständige in mir, wenn meine Gedanken kommen und gehen, wenn meine Geschichte nichts anderes ist als eine Möglichkeit von vielen, wenn die graue Masse in meinem Kopf ihre Erinnerungen und Erfahrungen nutzt, um den Dingen und Erlebnissen, die scheinbar vor mir liegen, willkürlich eine Bedeutung zu geben?

Es gibt Momente, da sehe ich es ganz klar vor mir. Ich sehe den Unterschied zwischen mir und meiner Geschichte. Ich erlebe mich als Seele, die in einem Körper wohnt, den meine Geschichte als »Ich« bezeichnet, sehe und erlebe meine Möglichkeit, diese Geschichte zu gestalten. Es ist alles möglich. Dieses »ICH« kann sich klein denken, kann sich groß denken. Es kann alles denken. Diese menschliche Fähigkeit ist unsere größte Last und gleichzeitig unser größtes Geschenk.

Solange wir nicht den Unterschied erfahren zwischen unserer Seele und unserer Geschichte, wird die Geschichte zur Last. Sobald wir jedoch unsere Seele hinter unserer Geschichte entdecken, wird das Leben zu einem Spiel, dem wir zuschauen und in dem wir mitspielen können.

Ich glaube, das Leben ist vollkommen bedeutungslos. Und das meine ich in einem absolut positiven Sinn. Das Leben, das wir leben, die Geschichte, die wir über uns erzählen, hat nur eine Bedeutung für das »ICH«, weil es seine Geschichte ist. Für das große Ganze ist diese Geschichte jedoch völlig bedeutungslos. Deshalb ist das Leben auch nicht schrecklich. Wir beobachten einfach nur die Variationsbreite des Möglichen. Warum das so ist? Keine Ahnung. Darüber können wir nur philosophieren und an etwas glauben, das über diese Geschichten hinausgeht. Und das tue ich.

Ich erlebe meine Seele hinter meiner Geschichte, hinter meinen Gedanken. Diese Seele wohnt in meinem Körper, macht diese materielle Zellmasse lebendig. Ich glaube nicht an die Heiligen drei Könige. Ich glaube an meine Seele, meinen Körper und an meine Geschichte.

Es gibt eine Seele in uns. Es gibt einen materiellen Körper. Es gibt eine Geschichte. Diese Dreiheit wird für mich selbst deutlich wahrnehmbar, wenn ich mir über meinen Tod Gedanken mache. Wer oder was stirbt, wenn ich sterbe? Kann mein Seele sterben? Nein. Sie ist der unsterbliche Anteil in mir, der dem Körper entweicht und damit lebendige Materie in tote Materie verwandelt. Kann der materielle Körper sterben? Nein. Der ganzer Körper, alle seine Organe, alle seine Zellen und seine Moleküle bestehen aus Atomen. Atome können nicht sterben. Sie können sich nur neu formieren. Was stirbt also, wenn ich sterbe? Das »ICH« stirbt. Die Geschichte stirbt.

Und ich finde es unglaublich tröstlich, wenn ich das gleiche Szenario für das menschliche Leiden durchdenke. Wer leidet, wenn ein Mensch leidet? Kann die Seele leiden? Nein. Wie in so vielen Nahtoderlebnissen beschrieben, ist es der stille Beobachter, der weder Schmerz kennt, noch Leid. Dieser stille Beobachter ist das, was wir wirklich sind. Reines Bewusstsein. Kann die Materie des menschlichen Körpers leiden? Nein. Sie verändert sich nur. Wer leidet also? Die Geschichte leidet.

Die körperliche Materie und unsere Geschichten sind die Spielwiese, der Erfahrungsraum, der Seele. Die Welt ist nicht schlecht. Das glaube ich nicht und will es auch nicht glauben. Vielleicht ist unsere Perspektive einfach nur zu klein?

Woran soll ich mich also jetzt orientieren?

Meine Geschichte ist bedeutungslos, aber sie ist möglich. Das gibt mir eine große Leichtigkeit. Sie kann ich gestalten. Und das tun wir immer, egal, ob wir etwas tun oder ob wir nichts tun. Es resultiert daraus immer eine Erfahrung, die unsere Seele macht. Es resultiert das, was ist. Es ist nicht bedeutsam, welche Geschichte wir leben, welche Geschichte wir über uns erzählen. Bedeutsam ist, dass Geschichten gelebt werden. Vielleicht sind wir einfach nur dazu hier. Welche Geschichte, ist völlig egal. Wir können mit dem Leben nicht scheitern. Wir leben einfach nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten. Und wir entscheiden, wie wir diese Möglichkeit nutzen. Alles ist gut. Alles ist möglich, vom Mörder bis zum Heiligen. Manche Menschen entscheiden sich für rechts, manche für links. Das ewige Leben des Möglichen. Dramatisch ist nur die Geschichte, die wir über das Mögliche erzählen.

Der Körper hat eine simple Rolle. Mit ihm setzen wir unsere Geschichte in die Tat um. Mit ihm bringen wir unsere Geschichten in das Leben. Ohne Körper gäbe es nur ein Drehbuch, aber keinen Film.

Es gibt Menschen, die erzählen sich die Geschichte, dass sie nicht wertvoll sind, und der Körper setzt die Geschichte um. Er liegt in einer Ecke, glotzt auf einen Bildschirm und stopft sich mit Dingen voll, die auch nicht wertvoll sind.

Ist das dramatisch? Nein. Es ist möglich. Die Geschichte ist dramatisch, die wir darüber erzählen. Der Körper ist die Folge der Geschichte. Das Selbst ist rein und beobachtet das Mögliche.

Es gibt Menschen, die erzählen sich die Geschichte, dass sie sich erst lieben können, wenn sie erfolgreich sind, wenn sie spirituell sind oder sonst irgendetwas, womit sie ihre Liebe endlich verdienen.

Ist das dramatisch? Nein. Es ist möglich. Nur die Geschichte ist dramatisch, die wir erzählen. Jeder Mensch ist jedoch mehr als die Geschichte, die er erzählt. Er ist die wundervolle Seele hinter der Geschichte.


Das ist meine Wahrheit. Was ist deine Wahrheit? Du musst es mir nicht sagen. Ich kann dich spüren. Du bist wahrnehmbar ...


Song: Deine Wahrheit

Schein oder Sein, glaubst du, das bleibt geheim?

Denn Worte sind beliebig und bevor dein Mund aufgeht, weiß ich, wer vor mir steht.

Verkleidet oder nicht, ich seh’ in deinem Gesicht,

was dich bewegt.

Du kannst viel erzählen heut’ und irgendwann, aber nicht verschweigen, was man spüren kann. Deine Wahrheit kommt von innen,

sie ist immer da, du bist wahrnehmbar.

Deine Ideen sind Schall und Rauch,

wenn wir sie in dir nicht sehen. Und wir werden deinen Weg

nicht mir dir gehen. Sind Meinungen wichtig,

wenn du sie nicht lebst, und nur Plattitüden an deine Stirn hin klebst?

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